26. Juni 2020

Leitsatz „Bildung durch Begegnung“


Mit Hans-Hermann Bendzulla geht der langjährige Studienleiter der Ev. Akademie im Saarland in Ruhestand

Eine Ära in der Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche im Saarland geht zu Ende. Ende Juni scheidet Hans-Hermann Bendzulla (65) aus dem aktiven Berufsleben aus. Während Pfarrerin Johanna Wittmann als Leiterin der Evangelischen Akademie im Saarland für die Bereiche Theologie, Kunst und Kultur, religiöse Bildung, interreligiöser Dialog, Erziehung, Beratung und Supervision verantwortlich zeichnet, widmete sich Hans-Hermann Bendzulla als Studienleiter den Schwerpunkten Gesellschafts- und Sozialpolitik, Industriekultur und Strukturwandel, Entwicklung in der Religion und der Öffentlichkeitsarbeit.

18 lange Jahre war er von Völklingen aus im Bereich der evangelischen Erwachsenenbildung tätig. „Solange war ich noch nie an einer Stelle,“ gesteht der gebürtige Göttinger, der das Saarland ursprünglich nur als Zwischenstopp gesehen hatte. Dann faszinierte ihn aber besonders die Grenzlage, er begeisterte sich für Land und Leute und blieb letztlich im Saarland hängen. Und das fiel ihm gar nicht schwer, denn eine so tolle Teamarbeit wie hier habe er zuvor auch noch nicht erlebt, wie er betont.

Hans-Hermann Bendzulla, Jahrgang 1955, studierte Sozialpädagogik und durchlief danach eine Ausbildung zum Sozialsekretär in der evangelischen Industrie- und Sozialarbeit. 1998 begann er seinen kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt des Saarlandes. Ab 2002 war er dann als Studienleiter in der Evangelischen Akademie mit Schwerpunkt „Industriekultur“ tätig, und sein Aufgabenfeld wurde schnell größer. Es umfasste dann nicht nur Gesellschafts-, Wirtschafts- und Sozialpolitik, sondern auch Landeskunde und Regionalgeschichte, Industriekultur und der Strukturwandel, Internet und Neue Medien sowie Kunst und Kultur. Auch die Arbeitsgemeinschaft „Frieden“ in der evangelischen Kirche im Rheinland, Beratungsseminare mit den Schwerpunkten „Älterwerden und Ruhestand“ sowie der weite Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gehörten zu seinen Aufgabenfeld. Zudem war er Synodalbeauftragter im Kirchenkreis Saar-West für „Kirche und Arbeitswelt“ sowie vier Jahre Vorsitzender der Mitarbeitervertretung im Kirchenkreisverband an der Saar.

„Bildung durch Begegnung“ - dieser Leitsatz prägte auch seine Arbeit und war zudem seine persönliche Motivation, zumal viele Aufgabenstellungen fast deckungsgleich mit seinen eigenen Wertvorstellungen waren und sind.

Für Hans-Hermann Bendzulla war Erwachsenenbildung immer deutlich mehr als reine Wissensvermittlung. Vielmehr wollte er mit seinem Engagement den Zuhörern Orientierung und Handlungsmöglichkeiten eröffnen und zudem Begegnungen im interkulturellen Austausch und zwischen den Generationen initiieren, - alles natürlich auf der Grundlage des christlichen Glaubens.

Und das Spektrum war stets weit gefächert: Religiöse Bildung und interreligiöser Dialog, Europa und grenzübergreifende Projekte, Industriekultur und Sozialpolitik sowie Kommunikation und Medien konnte er in Kreativ-Workshops, Exkursionen, Studienreisen, Vortragsveranstaltungen, Fortbildungsreihen und Gesprächsabenden den Menschen nahebringen.

Dabei bemühte er sich stets um einen offenen Dialog,- für ihn eine ganz wichtige Rolle der evangelischen Bildungsarbeit. Und er sieht sich dabei in der Tradition der evangelischen Kirche, die schon in der Reformation versuchte, Menschen zu helfen, eine eigene Position zu finden, um sie seinerzeit aus ihrer Unmündigkeit herauszuholen.

Austausch fördern ohne Vorgaben an Meinungen, eben ein offener Dialog, Bildung durch Begegnung, das waren stets die Ziele von Hans-Hermann Bendzulla, aber auch der evangelischen Erwachsenenbildung.

Ein ganz besonderes Angebot bildete dabei auch der sogenannte Kulturführerschein. Er vermittelt Qualifikationen, um Kulturgruppen aufzubauen. In der Theoriephase werden auf kreative Art und Weise allgemeine Einführungen in unterschiedliche Kulturbereiche zum Thema Heimat vermittelt wie zum Beispiel Landschaft, Geschichte Industriekultur, Essen, Sprache. Zu jedem Bereich gehört eine Exkursion - zu regionalen Wirtschaftsbetrieben, in ein Museum oder eine spannende Industrieanlage. Die Teilnehmer lernen dabei Menschen kennen, die dort arbeiten und blicken hinter die Kulissen. In der Praxisphase planen die Kursteilnehmer in kleinen Gruppen eigene Veranstaltungen zu einem Kulturbereich und führen diese mit der Gesamtgruppe durch. Und zum Abschluss der Weiterbildung gibt es dann den Kulturführerschein.

Hans-Hermann Bendzulla sieht sich für seinen Ruhestand gut vorbereitet. Dieser Wechsel erfolgt nicht abrupt, denn zum einen ist er in verschiedenen Projekten noch begleitend bis Ende des Jahres aktiv. Zum andern weiß er aufgrund seiner eigenen Beratungsseminare zum Thema „Älterwerden und   Ruhestand“, worauf es ankommt und auf was er zu achten hat.  Für ihn stellt die Zeit nach seinem Arbeitsleben die Chance dar, sich nun intensiver und persönlicher mit seinen kulturellen Vorlieben zu beschäftigen.

Wer sein Nachfolger wird, steht derzeit noch nicht fest. Die Stelle ist ausgeschrieben. Aber Hans-Hermann Bendzulla ist gerne bereit, ihn in sein neues Amt einzuarbeiten und zum Start nach besten Kräften zu unterstützen - so sein Nachfolger das will. Zum anderen will der scheidende Studienleiter sich neben seiner Familie - Hans-Hermann Bendzulla ist verheiratet und hat zwei Söhne-  unter anderem auch wieder seiner „alten Liebe“ Fotografie und Wandern widmen. Auch das ehrenamtliche Engagement soll nicht zu kurz kommen, soweit ihm das Pensionärs-Dasein dazu Zeit lässt.

                                                                                                  Rolf Ruppenthal





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